Statt Schönheitschirurgie: Nasenformer

Heute werden als unschön geltende „Nasenfehler“ ja vom Schönheitschirurgen behoben. Anfang des 20. Jahrhunderts war die Chirurgie dazu noch nicht in der Lage, die Menschen litten aber schon damals unter einer „Kartoffelnase“ oder einer „Entenschnabelnase“. Pfiffige Geschäftsleute versprachen Abhilfe durch den Einsatz eines Nasenformers, der doch stark an ein Foltergerät erinnert.

nasenformer3Die hier gezeigten Werbeanzeigen stammen aus verschiedenen populären Illustrierten aus den Jahren 1915 bis 1918. Das Nasenformungsgerät „Zello“ scheint also ein Verkaufsschlager gewesen zu sein – in einer der Anzeigen heißt es „bisher 100.000 Zello versandt“. Leider habe ich bisher noch keinen Bericht über die Wirksamkeit dieser Methode gefunden. Wenn es wirklich funktioniert hätte, dann würde der Nasenformer mit Sicherheit noch heute verkauft werden.

Welche Nasenfehler das orthopädische Nasenformgerät zu beheben verspricht, zeigt dieser Ausschnitt aus einer der Anzeigen:

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Der Nasenformer „Zello“ macht laut Aussage des Herstellers L.M. Baginski aus Berlin aus folgenden „falschen“ Nasen die griechisch-römische „Normalform“:

  1. Kartoffelnase
  2. Sattelnase
  3. Entenschnabelnase
  4. Spitznase
  5. Lange Nase
  6. Hakennase
  7. Breite Nase
  8. Schiefe Nase

Ich frage mich, ob dieses orthopädische Gerät rund um die Uhr getragen werden mußte, um Wirkung zu zeigen. Oder wie lange überhaupt – Wochen, Monate oder gar Jahre? Für Brillenträger war es auch sehr unpraktisch. Und verleitet bestimmt auch zum Schielen – dauert guckt man gegen das Teil.

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Das hat dann wohl auch der Hersteller erkannt und nach dem oben gezeigten Modell 20 gab es dann bald das Modell 21 mit der Bezeichnung „Zello-Punkt“. Kleiner und nur noch mit einem Gurt. Sieht nicht mehr ganz so nach Foltergerät aus:

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Der Verkaufserfolg hielt weiterhin an: in der obigen Anzeige ist schon die Rede von über 200.000 verkauften Exemplaren. Die Preise von 15,00 bis 28,80 Mark (für unterschiedliche Größen?) waren jedenfalls für die damalige Zeit nicht gerade niedrig. Denn das durchschnittliche Einkommen betrug 1915 in Deutschland nur 1.178 Mark jährlich.

Aber was tut der Mensch nicht alles, um vermeintlich besser auszusehen. Wie sagt doch der Volksmund so treffend? „Wer schön sein will, muß leiden“.