Eine Bibliothek ganz aus Holz

Einen Schatz nicht aus Gold und Silber, sondern aus Pflanzenteilen und Holz hütet das Naturkundemuseum Kassel im Ottoneum: die Schildbachsche Xylothek.

Das Innere eines Holzbuches aus der Xylothek - Naturkundemuseum im Ottoneum

Was ist eine Xylothek? Das Wort stammt aus dem Griechischen und besteht aus den Begriffen „xylon“ für Holz und „theke“ für Aufbewahrungsort. Es bezeichnet eine naturkundliche Sammlung von Holz und anderen Bestandteilen eines Baumes. Dabei sind die einzelnen Exponate in Buchform gestaltet und jeder Band besteht aus den Bestandteilen einer einzelnen Baumart.

Herbarien waren die ersten Pflanzensammlungen

Die ersten Pflanzensammlungen wurden bereits im Mittelalter zusammengetragen. Meist waren es Mönche, die in den Klöstern umfangreiche Herbarien anlegten. Die ersten reinen Holzsammlungen sind aus dem 18. Jahrhundert belegt. Diese sogenannten Holz-Cabinette waren reine Sammlerstücke, die noch keinen wissenschaftlichen Zwecken dienten. Als zur Zeit der Aufklärung das Interesse an der Natur wuchs, ging man systematischer vor. Ab etwa 1771 begann Carl Schildbach mit der Anfertigung seiner „Sammlung von Holzarten, so Hessenland von Natur hervorbringt“.

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Kuriose deutsche Museen: Von B wie Bananen bis S wie Schnarchen

Was haben Holzwürmer, Bratwürste, Folterinstrumente, Giraffen und Mausefallen gemeinsam? Nichts? Oh doch – jedem dieser Dinge ist ein Museum gewidmet.

Meiden Sie Museen, wo es nur geht? Sind Ihnen die meisten klassischen Sammlungen einfach zu langweilig? Fühlen Sie sich in den noblen Hallen einer Gemäldegalerie voller alter Meister einfach nur unwohl? Dann sollten Sie einmal eines der hier vorgestellten Museen besuchen – Spaß, Spannung, Staunen und Kurzweile sind garantiert.

Die Bratwurst - auch ein Fall fürs Museum - © Martina Berg

Das Erste Deutsche Bananenmuseum

Josefine Baker sorgte in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts für einen Skandal, als sie mit nichts als einem Bananenröckchen begleitet auftrat. Das Erste Deutsche Bananenmuseum in Sierksdorf (Schleswig-Holstein) widmet der farbigen Tänzerin und Sängerin daher eine Sonderausstellung. Der Künstler Bernhard Stellmacher (Künstlername Stelli Banana) gründete das private Museum 1991. Unter den fast 11.000 Exponaten finden sich ein Bananen-Stich von Maria Sibylla Merian, die Banane von Andy Warhol, Plüschbananen, Werbeartikel in Bananenform, Transportfässer für Bananenbrei, eine „Bananenkrummbiegemaschine“ und ein „Bananomat“. Der zahlt Geld aus, wenn man eine Banane einwirft.

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Der Täufling und die Staatsdamen

Vom „Sonneberger Täufling“ wissen Puppenliebhaber auf der ganzen Welt, die „Staatsdamen“ zählen zu den schönsten und kostbarsten Wachspuppen. Ab Sonnabend, dem 14. Mai, bereichert eine Sonderschau „Der Täufling und die Staatsdamen“ die ständige Ausstellung in der Puppenetage des Deutschen Spielzeugmuseums. Sie richtet den Blick auf ein großes Kapitel in der Geschichte der Spielzeugstadt.

Wachspuppen gehörten in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den verbreitetsten und beliebtesten Puppen. In Sonneberg galten sie lange Zeit als die schönsten schlechthin. Eine Initialzündung für diese Entwicklung gaben die in London ansässigen Familien Pierotti und Montanari, als sie auf der Weltausstellung des Jahres 1851 erstmals ihre Wachspuppen präsentierten. Zweifellos lieferte diese Ausstellung den Herstellern und Kaufleuten aus Sonneberg wichtige Impulse. Doch am Beginn der Sonneberger Wachspuppen-Ära stand mit dem „Täufling“ eine originäre Sonneberger Erfindung: Nur mit einem Hemdchen und einem Häubchen bekleidet, glich diese Puppe in ihren Proportionen einem erst wenige Wochen alten Säugling. Sie war voll beweglich und im Zusammenspiel von Gestalt und Funktion als Spielpuppe konzipiert. Die erste Babypuppe war geboren.

Foto und Rechte: Deutsches Spielzeugmuseum | Der Sonneberger Täufling folgte im Aufbau exakt dem Vorbild einer japanischen Puppe

Lange Zeit galt, die Anregung für diese Innovation habe der Sonneberger Kaufmann Edmund Lindner auf seiner Reise zur Londoner Weltausstellung erhalten. 1993 fand man im Sonneberger Stadtarchiv ein bisher unbekanntes Dokument, das eine andere Entstehungsgeschichte belegt. Danach entdeckte Edmund Lindner bereits 1850 – ein Jahr vor der Londoner Weltausstellung – im Laden eines seiner Kunden in Brüssel eine aus Japan stammende Puppe, die er erwarb, da er sie „für die Fabrikation in Sonneberg passend“ erachtete.

Der von Johann Georg Christian Finger nach Lindners Idee geschaffene Prototyp des Täuflings wurde in den folgenden Jahren von vielen Sonneberger Puppenfabrikanten kopiert. In unzähligen Modifikationen wurde er von den weltweit agierenden Sonneberger Verlagshäusern vertrieben. Bald galt er als der wichtigste Artikel Sonneberger Fabrikation. Das Angebot an Täuflingen wurde immer vielgestaltiger. Die Varianten reichten von der „einfachen unwachsierten Sorte“ bis hin zu kostspieligen Ausführungen, die mit  Schlafaugen, Stimme und Echthaar-Perücke versehen waren. Diese Puppen wurden zwar im Stil der Täuflinge gemacht, sie stellten aber auch ältere Kinder, Puppenmädchen, dar.

Entscheidenden Anteil an der Erfolgsgeschichte der florierenden Täuflingsproduktion hatte Heinrich Stier. 1852 gründete er in Sonneberg eine Puppenfabrik, um wachsüberzogene Papiermachéköpfe herzustellen. Zu seinen Erfindungen – die von anderen Herstellern nur allzu oft aufgegriffen wurden – gehörten unter anderem „geheime“ Rezepte, um die Temperaturanfälligkeit der wachsierten Täuflingsköpfe herabzusetzen. 1869 kam Heinrich Stier mit gegossenen Wachs- oder Modellköpfen auf den Markt, die „in Bezug auf Schönheit alle anderen übertrafen“. Diese Erfindung leitete die hohe Zeit der Sonneberger Staatsdamen ein, eleganten, fein gekleideten Puppen, die mit ihren Garderoben den Damen entsprachen, die zum Hofball an den Kaiserhof geladen wurden.

 

Wachspuppe aus dem Deutschen Spielzeugmuseum

Die Wachspuppen-Sonderschau umfasst eine Auswahl von etwa 50 Puppen aus dem Besitz des Museums. Anders  als in den Jahren zuvor, werden die Exponate in noch unrestauriertem Zustand gezeigt. Die Ausstellung ist mit der Bitte um Spenden für die Restaurierung dieses einmaligen Bestandes verbunden.

Die Ausstellungseröffnung findet zum Auftakt der Museumsnacht am kommenden Sonnabend um 18 Uhr mit einer Sonderführung statt. Um 20 Uhr und 21 Uhr sind Aufführungen des Modetheaters „gnadenlos schick“ zu erleben – zeitgemäße Interpretationen zum Thema „Staatsdamen“. Ausstellungsgäste werden gebeten, für den Besuch dieser Veranstaltungen das Eintrittsbändchen der Museumsnacht – im Vorverkauf 2 EUR – zu erwerben. Es sichert den Zutritt zu einer an Angeboten prall gefüllten Nacht, nicht nur am Deutschen Spielzeugmuseum.

 

Deutsches Spielzeugmuseum
Beethovenstraße 10 | 96515 Sonneberg
Tel. +49(0)3675 422634-0  |  Fax -26

 

Buchtipp:

1000 Puppen: Klassiker und Sammlerstücke von 1800 bis 1974