Ruft mich doch gerade eben ein sehr aufgebrachter Kunde an. Ohne Gruß oder Namensnennung – nicht einmal ich kann mein „Guten Morgen“ zu Ende sprechen – poltert er sofort los: „Ich habe gerade das Buch gekriegt, das ich bei Ihnen bestellt habe. Und da liegt eine Rechnung bei. Was soll das? Ich habe doch schon bezahlt! Gleich bei der Bestellung, mit PayPal! Haben Sie Ihre Buchführung nicht im Griff? Oder was soll das? Ich finde das eine bodenlose Unverschämtheit. Sie wollen wohl doppelt kassieren, oder was?“

Jetzt endlich muss er auch mal Luft holen und macht daher eine kurze Sprechpause und ich nutze die, um den Kunden erstmal nach seinem Namen zu fragen und dann meine Begrüßung nachhole: „Guten Morgen, Herr Mustermann! Um welches Buch handelt es sich denn?“. Der Kunde, durch meine Freundlichkeit schon etwas ruhiger, nennt mir den Titel. Nach langen Jahren als Antiquarin reagiere ich auf solch wütende Anrufer immer mit besonders ausgesuchter Höflichkeit und Ruhe. Meist überträgt sich das dann auch auf den Kunden.
„Gefällt Ihnen denn das Buch? Sind Sie mit der Qualität zufrieden?“
„Ähhh, ja… doch… aber…“, stottert er etwas überrumpelt.
„Das freut mich. Haben Sie meine Rechnung gerade griffbereit?“
„Ja, natürlich“.
„Würden Sie mal genau draufschauen? Dort steht doch (übrigens extra dick und fett ausgedruckt!) „Den Betrag habe ich dankend erhalten!“, oder?“
„Äh, ja… aber warum schicken Sie mir dann noch eine Rechnung? Ist doch wirklich überflüssig!“
Sprachs und legte grußlos und ohne Entschuldigung einfach auf.
Und jetzt ärgere ich mich kopfschüttelnd etwa 30 Sekunden (mehr ist sowas wirklich nicht wert) über diesen unhöflichen Zeitgenossen, schreibe diesen kurzen Blogbeitrag, hake die Sache ab und mache jetzt mit dem Katalogisieren einiger Neueingänge weiter!
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